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Ab Ovo

Don Juan macht eine Frau nicht nur glauben, da? er sie liebt, sondern er glaubt es selbst bis just zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich ihm hingibt und sich auf diese Weise in die lange Schlange seiner Eroberungen einreiht. Das ist die Katastrophe f?r seine Liebe, denn jetzt ist sie nichts besonderes, au?ergew?hnliches mehr. Die Zerst?rung der Beziehung und somit auch der Frau ist so folgerichtig wie fatal, denn sie kann nicht begreifen, da? er durch den Umstand, von ihr gl?cklich gemacht worden zu sein, ungl?cklich wird. Vielleicht begreift sie das Paradoxe dieses Umstandes noch nicht einmal, denn es ist fraglich, ob er es selbst nachvollziehen kann. Fakt ist, das Don Juan im tiefsten seiner Seele nach einer Frau sucht die ihm ebenb?rtig ist. Nach einer Carmen, nach einem Weib, da? ihn ins Verderben st?rzt. Eine Frau, die ihn Leiden l??t und nicht umgekehrt.
Eine Kunst, die nicht leicht zu beherrschen ist, denn ein Mann, auch ein Don Juan, l??t bei zu gut gespieltem Desinteresse von einer Frau auch wieder ab, und so gelingt es keiner, ihn an sich zu binden
Eine Frau mu? es schaffen, wenn sie Don Juan von diesem Fluch befreien will, da? er um den Preis des Beischlafes eine Beziehung zu ihr aufbaut, aus der es kein Entrinnen f?r ihn gibt. Dann w?re der Bann gebrochen. Ein Gl?ck, da? dem Herzensbrecher nicht beschieden war und der von seinem Leiden nur durch den Tod erl?st wurde.

Im ersten Traum, den ich jemals tr?umte, sah ich mich als einen Ausgestossenen, der sich so weit dezentrierte, da? er niemals wieder in einer Mitte aufgenommen werden k?nnte, jemand, der sich selbst gezeichnet hatte. Mein erster Traum handelte von den Frauen dieser Welt, aber nicht so, wie viele Jahre sp?ter, als mir tr?umte, da? ich von vierzigtausend Frauen, vor denen ich nackt auf der B?hne stehe, zerrissen werde, ganz im Sinne der Gef?hrtinnen des Dionysos, wenn sie in ihrem Rausch Rehe und Hirsche zerfetzten, in woll?stiger Ekstase, mit nichts zu vergleichen. Vielmehr wurde dieser Traum nicht getr?umt sondern er geschah in mir immer dann, wenn ich kurz vor dem Einschlafen war oder bevor ich erwachte, also einen Zustand erreichte, der den Geist empf?nglich macht f?r die grossen Geheimnisse der Seele.
Ich tr?umte einen autonomen Staat im Untergrund, ich tr?umte mich als den Anf?hrer eines oppositionellen Reiches tief unter der Erde, das ich erst viel sp?ter begreifen konnte: Agartha. Jedoch ohne Mystik. Ich verlockte die Frauen und gab ihnen eine Murmel, nicht gr?sser als eine Kaugummikugel, die sie schlucken mu?ten, bevor sie in die tiefen des Erdreichs mitgenommen werden konnten und jeden Tag war es eine andere, die sich mit mir das Lager teilte. Der Sexus war bereits in meiner fr?hesten Kindheit wie ein Virus in mir zu finden und schon sehr fr?h begann ich mich an meiner Bettdecke zu reiben, in einer Art Wahn bereits im Koitus vereint mit allen Sinnen.
Meine Spiele waren Spiele der Abgesondertheit und ich k?nnte mir vorstellen, da? ich an meinem jungen K?rper litt, denn der war mich nicht im geringsten bewusst. Man k?nnte auch behaupten, da? er noch keine Schwere besass, da? der Geist, wenn er noch nicht lange in einem K?rper haust, noch leichter zu l?sen ist. Sp?ter wird er mir den Gewichten der Pflicht und der Angepasstheit beschwert, seine Fl?gel werden ihm qualvoll abgeschnitten, so da? er bodenst?ndig wird wie ein Huhn in einer Legebatterie. Die Welt wird ihm erkl?rt und er mu? es glauben oder er wird bitterlich bestraft. In mir waren schon alle Anlagen dazu vorhanden, aus der Wiege/Barre-Mentalit?t auszubrechen, doch ob ich es so einfach geschafft h?tte, wenn meine Mutter nicht den Opfertod gestorben w?re, wage ich auch heute noch zu bezweifeln.

Das Prinzip, den Mund zu halten, w?hrend man spricht. Dunkelheit gibt es immer nur hinter dem Fenster, sie ist draussen besser aufgehoben als drinnen. Woran das wohl liegt? Das elektrische Licht begutachtet uns, w?hrend wir hier sitzen, fleissig eingerichtet, adrett. Selbstverst?ndlich werden Fotos gemacht; von der Tafel mit ihren verzierten Tellern und Schalen, dem guten Besteck, den Bechern, Kelchen und Gl?sern, von den Personen, die dieses Inventar benutzen, in naher Zukunft, dann, wenn die K?chin den Braten anschleppt. Sie tr?gt dicke Handschuhe, um sich nicht zu verbrennen. Das haben W?rme und K?lte gemeinsam: Sie verletzen die zarte Haut. War es denn schon damals unheimlich? Die Antwort ist ja. Ja, es war sehr unheimlich.
Wir haben Bilder zu entwerfen, denn wir selbst sind nur ein Abbild einer abstrakten Idee. Wie k?nnten wir den Menschen nicht so sehen? Das Nichtvorhandensein eines Ursprungs ist es, das uns ins Monstr?se treibt und es kann sich niemand damit tr?sten, da? er aus einem Uterus entsprang, an den er sich nicht erinnert, an einer Brust trinkt, deren Form er nicht mehr beschreiben kann. Es scheint, als wolle der Mann ununterbrochen wieder in die Vulva zur?ckkriechen, den Prozess umkehren. Das junge Ding erbl?ht wie eine Rose und dann, im Laufe der Zeit wird sie immer mehr zur eigenen Mutter, die man nicht mehr durchficken m?chte, von der man nur noch gestreichelt werden will, aufgenommen in die Arme ihrer geb?renden Kraft.
Wo kommen die Gedanken her? Wie k?nnen sie jemals in uns selbst ihren Ursprung tragen? W?hrend ich hier sitze, auf diesem Stuhl, und auf die K?chin warte (oder warte ich auf den Braten?) ? d?chte ich auf einem anderen Stuhl etwas anderes? D?chte jene Gedanken, die dort unweigerlich auf mich warten wie Radiowellen?
Ich beobachte sie, wie sie es vermeiden, in der Nase zu bohren oder sich am Arsch zu kratzen und nachher, beim Klirren der Teller, werden sie sich M?he geben, nichts von der Gabel fallen zu lassen, zur?ck in die Sauce, die dann gar auf ihre Kleidung spritzen k?nnte, auf die festliche Tischdecke, die doch mehr wie ein Leichentuch aussieht, mit Speisen am Saum.

Die Gemeinschaft ist eingepfercht. Sie alle unterscheiden sich von Affen nur darin, da? sie sich das Haar nicht gegenseitig nach L?usen absuchen. Der Mensch ist dressiert, man getraut sich kaum zu kauen, m?chte den Batzen Fleisch am St?ck hinunterw?rgen, den es k?nnet zu untolerierbaren Ger?uschen kommen.
Hinter meinem R?cken donnert der ?lofen und beheizt hundert Quadratmeter Raum, nat?rlich nicht allein. Er wird von gl?henden Backen, heissem Kaffee und heuchelnden Worten unterst?tzt. Man trifft sich, um der Einsamkeit zu entgehen, man trifft sich, weil man sich nicht zu sagen getraut: ?Ihr kotzt mich alle an!? Auch hier sollte ich sp?ter ein Pionier sein. Alle, die wir hier sitzen, sind wir nur das Produkt einer in der Zeit gestaffelten Fickerei. Adolf und Johanna, im ersten Weltkrieg mit dem Produkt Karl, der der Vater meiner Mutter ist. Karl und Christa nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Produkt meiner Mutter, Ingrid.
Kurt und Ursula auf der Flucht aus Ostpreussen mit dem Produkt Gerd, den man meinen Vater nennt. Gerd und Ingrid vor dem dritten Weltkrieg. Zwei Produkte. Mirko und ich. Mein Bruder sitzt neben mir. Heute Mittag hatte ich noch versucht, ihn mit einer Nylonschnur zu erw?rgen, aber irgendwie konnte ich das blaue Gesicht nicht ertragen und liess von ihm ab. Nicht, da? ich irgendeinen Groll gegen ihn hegte oder in irgendeiner Form sadistisch veranlagt war, nein. Ich wollte hier raus, das war alles. Ich glaubte nicht an das Leben, ich glaubte nicht an den Tod, ich glaubte nicht an die Personen, die sich heute hier trafen, Sekt und Bier tranken und diese beschissenen Kriege ?berlebt hatten.
Also fragte ich Adolf, warum er gleich alle beiden Kriege ?berlebt hatte und bekam eine gelangt. Von da an glaubte ich auch nicht mehr an den Krieg und ich glaubte nicht an den Braten, den ich kaum mehr kauen konnte.
Schalten wir den Ton ein: Ein derbes Gel?chter, nicht wahr?
Ich versuche mir vorzustellen, da? Zahnprothesen einen anderen Ton im Fleisch verursachen, als die noch verbleibenden Z?hne. Ich kann den Unterschied nicht h?ren. Ich bin taub, also lutsche ich mein Fleisch und nehme nur noch das Suckeln meiner inneren Backen wahr. Ich h?re von innen. Mirko hat keine gelangt bekommen, aber er wei?, da? er sp?ter von mir eine gelangt bekommt, weil er keine gelangt bekam. Gott wu?te, warum ich keine Schwester bekommen hatte.
4.1.06 23:02
 


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