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Herbst

Immer im Herbst eines Jahres wurde Marion satanisch. Diese unglaublich schwammige Frau, die alle weiblichen Herrscherinnen der Geschichte und deren Biografie bis ins Detail kannte, sass auf der Couch, die sie vom Sozialamt bekommen hatte mit geschlossenen Augen und kreiselnden Kopf. Dabei drangen Ger?usche tief aus ihrem gewaltigen Brustanwesen und vibrierten in der Kehle, so dass sich auch hartgesottenen und v?llig furchtfreien Menschen die Haare str?ubten.
Pl?tzlich formten sich Worte irgendwo in dieser Masse Fleisch. "Was willst du von mir?" grunzte die Stimme. Klar, ich hatte jetzt endlich Luzifer vor mir, der in diesen Koloss eingefahren war, um mit mir, Perkampus, zu kommunizieren.
Was also wollte ich jetzt von ihm, dem Herrscher der Welt, der da in Marion steckte und der bereit schien, mir alle Geheimnsisse des Universums anzuvertrauen. Quasi exklusiv.
"Wie viele Frauen werde ich in meinem Leben noch v?geln?" sprang es aus mir heraus. Dies schien mir irgendwie die elementarste Frage zu sein, die mir in Sachen Universum einfiel.
"Viele!" grunzte die Stimme und dann hustete Marions K?rper, der mit drei Schachteln Zigaretten t?glich fertig werden musste, und ihre monumentale B?ste wogte auf und ab wie ein Panzer, der durch h?geliges Gel?nde rast.
Diese Antwort erfreute mich und entsprach vollkommen meinen Pl?nen und Luzifer h?chstpers?nlich hatte mir das best?tigt. Ich wollte dann auch gar nicht mehr wissen, denn eine explizite Zahl k?nnte mich in Panik versetzen, wenn ich mich ihr n?herte. Was k?me danach? Clubkarte in Beate Uhses Puppenkabinett? Hornhaut und Schwielen, vornehmlich an der rechten Hand? Die Antwort viele gefiel mir da schon wesentlich besser, sie war so herrlich nichtssagend.
Ich plauderte mit Luzi noch eine ganze Weile und er sagte immer genau jene Dinge, die ich h?ren wollte. Marion verstand sich gut darauf, ein Medium zu spielen. Wenn sie keine Lust mehr hatte, derart gepresst zu sprechen und die Augen st?ndig geschlossen zu halten, sagte mir der F?rst der Welt, dass er jetzt gehen m?sse, da es f?r Marion zu gef?hrlich w?rde, wenn er sie so lange besetzt hielt. Wenn sie dann wieder geistig anwesend war, tat sie so, als w?sste sie von nichts und ich musste ihr dann alles erl?utern, was sie von sich gegeben hatte.
Nat?rlich handelte es sich hier um ein psychologisches Spiel, denn wir forschten damals nach den M?glichkeiten des Unbewussten. Ausgehend von einer freien Assoziationskette, w?hrend der man sich selbst in einen trance?hnlichen Zustand versetzen konnte, ohne die Hypnose zu bem?hen, die ja nicht ungef?hrlich ist, tauchten wir in unterschiedliche Schichten und versuchten, uns gegenseitig zu ?bertreffen.
Das begann, als wir uns kennen lernten, mit n?chtelangen Diskussionen ?ber die M?glichkeiten des Geistes an sich. Bei unserem aller ersten Zusammentreffen legte sie mir die Karten, das war eine Leidenschaft von ihr. Ich liess es ?ber mich ergehen und war erstaunt, wie gut es ihr gelang, mich hinters Licht zu f?hren. Zum Kartenlegen geh?rte nicht nur ein grosses schauspielerisches Talent, sondern auch eine gute Kenntnis psychologischer Zusammenh?nge und Wahrscheinlichkeiten. Man muss stets von einem Allgemeinplatz ausgehen und den ganz individuell anpassen. Nat?rlich ist es keine grosse Tat, eine Krankheit vorauszusagen, die man aber ?berwinden wird. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross, dass man mindestens einmal im Jahr wirklich krank wird und dass man danach wieder gesundet. Vielmehr bestand die Kunst darin, diese Allgemeinpl?tze theatralisch so zu gestalten, dass man sich pers?nlich angesprochen f?hlt und an manchen Stellen sagt: Das konnte sie nicht wissen. Doch, kann sie nat?rlich, wenn sie etwas Menschenkenntnis besitzt und einiges von Physignomie und Psychologie versteht und dazu noch gebildet ist. Eine geschickte Fragestellung, w?hrend der man automatisch durch Geste und Wort einiges ?ber sich selbst verr?t ohne es gross zu bemerken, geh?rt ebenfalls dazu.
So lernten wir uns also kennen durch Taschenspielertricks, die direkt in die tats?chliche Erforschung des Unterbewussten m?ndeten. Noch heute bin ich ?berzeugt davon, dass einige Dinge geschehen sind, die ich mir auch durch reifliches Nachdenken nicht erkl?ren kann und die selbst Marion nicht mehr im Griff hatte. Jahrelang befanden wir uns in einem psychologischen Wettstreit. Im Laufe dieser Stoffsammlung werde ich davon erz?hlen.
6.1.06 13:39
 


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