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Hahn auf dem Mist

Methoden der Liebe

Der erf?llt Liebende hat kein Bed?rfnis, sich etwa in Kunst auszudr?cken, weil er zur G?nze damit besch?ftigt ist, zu lieben und innerhalb der Liebe gar nichts anderes mehr w?nscht. Dies ist die Liebe aus Leidenschaft, L?amour-passion des Abelard zu seiner Heloise.
Als n?chstes k?nnen wir die Liebe aus gegenseitigem Gefallen anf?hren, L?amour gout. Sie ?hnelt einem Gem?lde von Carracci, auf dem alles, selbst die Schatten in rosigen Farben gehalten werden. Nichts Unvorhergesehenes passiert und wenn man dieser Liebe die Eitelkeit wegnimmt, bleibt nichts mehr ?brig, was uns direkt zur n?chsten Form f?hrt: L?amour de vanit?, der Liebe aus Eitelkeit, in der man eine Frau besitzt, wie man etwa ein Pferd h?lt. Die Liebe, die ich meistens schildere und erlebte, das ist wahrlich die grosse Form, L?amour physique, die sinnliche Liebe. Trotz aller biochemikalischen Erkl?rungen, die uns nicht desto weniger v?llig wurscht sind, als da? wir uns auch nicht fragen, aus wieviel Aminos?uren unser k?stlicher Sonntagsbraten besteht, bleibt sie das Mysterium h?chstselbst und w?re ein Gottesbeweis je wirklich n?tig oder auch erforderlich, dann k?me man nicht umhin, auf die Strasse zu rennen, seinen Pillermann fest in der Hand schwenkend und immerfort zu rufen: Der Koitus ist der Gottesbeweis, oder f?r die Allgemeinheit: ?Ficken, that?s all.? (Ich greife hier ganz bewusst eine neumodische Stimmungsschwankung auf, Worte des deutschen Sprachgebrauchs mit anglolinguistischer Mundvolklore zu paaren.)

Ein kleines groteskes St?ck noch, bevor es losgeht:

Der Verurteilte(Adaption nach Polo)

Er stand auf dem Richtplatz und ergriff zwei Schwerter.
?Ich t?te mich aus Liebe!? rief er ?berlaut, bevor er sich die Schwerter in die H?ften rammte
?Ich t?te mich aus Liebe!? rief er noch einmal und rammte sich zwei Schwerter in die Arme.
?Ich t?te mich aus Liebe!? sagte er und stiess sich zwei Schwerter aus Liebe in die Brust.
Zum Schluss nahm er ein Messer mit zwei Griffen, jenem ?hnlich, das f?r Fassreifen gebraucht wird und legte es sich an den Nacken. Mit beiden H?nden riss er es nach vorn und trennte mit einem Ruck den Kopf von seinem Hals.
Den K?rper des Verurteilten verbrannten die Verwandten in aller Fr?hlichkeit

Manchmal scheinen mir die Tage aus der hand zu gleiten wie billige Butter, die sich ranzig durch meine Finger schiebt. Die N?chte sind dann nicht mehr als leere H?llen, gespickt mit jeder einzelnen Stunde und ich denke daran, tot zu sein und vielleicht gar nicht mehr zu existieren.
Ich trampe durch die Gegend mit einem durchn?ssten Anzug und ausgefransten Socken. Ich stinke nach Shit und Bier und Qualm und erinnere mich gerade noch an meinen Namen. Dann stehe ich auf irgendeinem Fels vor irgendeinem Meer an irgendeinem Ort und denke: Spring! Bring es endlich hinter dich. Und dann f?llt mir die W?rme einer Frau ein, ich sehe sie vor mir und sie hat noch kein Gesicht, aber sie ist warm und bringt mich zum weinen durch ihre Anmut und da? ich sie niemals bekomme, wenn ich da unten als Fischfutter liege und dann trete ich von der Brandung zur?ck und aus meiner Nase rinnt das Blut und ich habe h?llische Kopfschmerzen.
Wieder in meiner Bruchbude, versuche ich, die W?sche aus der Maschine zu nehmen. Die Klappe l?sst sich nicht ?ffnen, also breche ich sie mit einer Gabel auf und ein Wasserfall kommt mir entgegen. Wieder Wasser. Tr?ger der Energie. Ich lege mich auf den R?cken in das Nass und breite die Arme aus. Immer noch l?uft das Blut aus meiner Nase, ich kam von einer Lesung und es kam zu einem Handgemenge. Auch Literaturliebhaber haben einen festen Punch.
Der Partikularismus der Fakult?ten hat mich daran gehindert, ein allumfassendes Wissen zu erreichen. Ich wu?te mich nicht zu entscheiden zwischen Psychologie, Philosophie, Anthropologie, Religionswissenschaft, Semiotik, Komparatistik, Germanistik, Anglizistik, Sexualkunde. So kam es, da? ich mich f?r nichts entschied, mein Studium der Psyche des Menschen abbrach, nicht ohne mich von der Polizei aus dem Lesesaal f?hren zu lassen. Der Herr Professor nannte mich einen Psychopathen, ich nannte ihn einen Koprophagen.
Mit Henry Miller habe ich gemeinsam, da? ich negativ gesehen eine Abneigung gegen jede Systematik hege, einen Zug ins Chaotische und Labyrinthische. Die Anarchie ist die ideale Lehre f?r ein poetisches Genie, das die Grundfreiheiten der Sch?pfung f?r sich beansprucht und wie die Sch?pfung nicht beim Wort genommen werden will.

Ich erhob mich aus der Pf?tze, die bereits das Badezimmer verliess und f?llte mir die Wanne. Erst als das Wasser um mich schwappte, bemerkte ich, da? ?berall ihre Zehenn?gel herumschwammen. Ich versuchte sie zu z?hlen und schlief ein. Als ich erwachte, war das Wasser eiskalt und ich f?hlte mich wie nach einer chinesischen Wasserfolter, meine Haut war blosses Zellgewebe. Draussen das Zwielicht. Ich wandle wie zwischen zwei Welten und staune das Leben um mich herum an. Mein Verstand versucht, zu schlichten, aber mein Gef?hl ist diesmal schneller und schl?gt eine Zusammenarbeit vor. Ich gehe nicht, ich schreite wie auf dem Pfad der Unendlichkeit, w?hrend ich nicht mehr schaue sondern sehe. Etwas Unfassbares geschieht, als w?rde ich verr?ckt, dabei ist es nur das Erwachen eines Potentials, das jahrelang schlummerte. Alles f?gt sich pl?tzlich mit aller Klarheit vor meinen Augen.
Ihre Geschichte. Die Geliebte. Ich h?rte die Sehnsucht in ihren Worten. Sie sagte: ?Ich werde niemals die Freundin eines Mannes ? eine Geliebte kann man nicht betr?gen.? Ich staunte, doch jetzt wei? ich: Sie war gl?cklich als Geliebte in dieser Zeit. Sie liebte, aber sie spielte die zweite Geige, sie war nie die K?nigin der Seele, sie war nie die wichtigste Person im Leben eines Mannes. Ihre Kraft und ihre St?rke wandelten eine m?gliche Verletzung um. Sie sagte, da? es gut so ist und sie fand eine Menge Argumente, die das best?tigten. Aber sie war immer nur die zweite Wahl und ihre Seele wu?te das. Sie hatte ihre Sehnsucht in sich, aber sie liess sie nicht hinaus, denn sie hatte Angst vor diesem unertr?glichen Schmerz, wenn sie sie in ihr Bewusstsein hineinliess. Sie konzentrierte sich auf ein unabh?ngiges Leben und sie machte ihre Sache sehr gut. Sie gew?hnte sich an ihr Alleinsein und sie war es in ihrer Tiefe immer und von dem Nichts, das sie bekam, nahm sie sich, was sie brauchte. Und dann sagte sie, sie sei ein Egoist. Aber das war sie nicht. Sie wu?te lediglich, da?, wenn sie gef?hlsm?ssig ?berleben wollte, dann mu?te sie sich selbst um sich k?mmern, dann konnte sie nicht darauf warten, da? sie wirklich einmal bekam, wonach sie d?rstete.
Es h?tte alles falsch sein k?nnen, was ich in ihr las, aber ich glaubte, da? es so war. Und auch die pl?tzliche Angst, auf dem besten Wege zu sein zur K?nigin im Herzen eines Mannes.

Ich glaube, sie hat bitterlich geweint, als ich ihr das schrieb. Ich habe sie nie wieder gesehen.
7.1.06 13:20


Herbst

Immer im Herbst eines Jahres wurde Marion satanisch. Diese unglaublich schwammige Frau, die alle weiblichen Herrscherinnen der Geschichte und deren Biografie bis ins Detail kannte, sass auf der Couch, die sie vom Sozialamt bekommen hatte mit geschlossenen Augen und kreiselnden Kopf. Dabei drangen Ger?usche tief aus ihrem gewaltigen Brustanwesen und vibrierten in der Kehle, so dass sich auch hartgesottenen und v?llig furchtfreien Menschen die Haare str?ubten.
Pl?tzlich formten sich Worte irgendwo in dieser Masse Fleisch. "Was willst du von mir?" grunzte die Stimme. Klar, ich hatte jetzt endlich Luzifer vor mir, der in diesen Koloss eingefahren war, um mit mir, Perkampus, zu kommunizieren.
Was also wollte ich jetzt von ihm, dem Herrscher der Welt, der da in Marion steckte und der bereit schien, mir alle Geheimnsisse des Universums anzuvertrauen. Quasi exklusiv.
"Wie viele Frauen werde ich in meinem Leben noch v?geln?" sprang es aus mir heraus. Dies schien mir irgendwie die elementarste Frage zu sein, die mir in Sachen Universum einfiel.
"Viele!" grunzte die Stimme und dann hustete Marions K?rper, der mit drei Schachteln Zigaretten t?glich fertig werden musste, und ihre monumentale B?ste wogte auf und ab wie ein Panzer, der durch h?geliges Gel?nde rast.
Diese Antwort erfreute mich und entsprach vollkommen meinen Pl?nen und Luzifer h?chstpers?nlich hatte mir das best?tigt. Ich wollte dann auch gar nicht mehr wissen, denn eine explizite Zahl k?nnte mich in Panik versetzen, wenn ich mich ihr n?herte. Was k?me danach? Clubkarte in Beate Uhses Puppenkabinett? Hornhaut und Schwielen, vornehmlich an der rechten Hand? Die Antwort viele gefiel mir da schon wesentlich besser, sie war so herrlich nichtssagend.
Ich plauderte mit Luzi noch eine ganze Weile und er sagte immer genau jene Dinge, die ich h?ren wollte. Marion verstand sich gut darauf, ein Medium zu spielen. Wenn sie keine Lust mehr hatte, derart gepresst zu sprechen und die Augen st?ndig geschlossen zu halten, sagte mir der F?rst der Welt, dass er jetzt gehen m?sse, da es f?r Marion zu gef?hrlich w?rde, wenn er sie so lange besetzt hielt. Wenn sie dann wieder geistig anwesend war, tat sie so, als w?sste sie von nichts und ich musste ihr dann alles erl?utern, was sie von sich gegeben hatte.
Nat?rlich handelte es sich hier um ein psychologisches Spiel, denn wir forschten damals nach den M?glichkeiten des Unbewussten. Ausgehend von einer freien Assoziationskette, w?hrend der man sich selbst in einen trance?hnlichen Zustand versetzen konnte, ohne die Hypnose zu bem?hen, die ja nicht ungef?hrlich ist, tauchten wir in unterschiedliche Schichten und versuchten, uns gegenseitig zu ?bertreffen.
Das begann, als wir uns kennen lernten, mit n?chtelangen Diskussionen ?ber die M?glichkeiten des Geistes an sich. Bei unserem aller ersten Zusammentreffen legte sie mir die Karten, das war eine Leidenschaft von ihr. Ich liess es ?ber mich ergehen und war erstaunt, wie gut es ihr gelang, mich hinters Licht zu f?hren. Zum Kartenlegen geh?rte nicht nur ein grosses schauspielerisches Talent, sondern auch eine gute Kenntnis psychologischer Zusammenh?nge und Wahrscheinlichkeiten. Man muss stets von einem Allgemeinplatz ausgehen und den ganz individuell anpassen. Nat?rlich ist es keine grosse Tat, eine Krankheit vorauszusagen, die man aber ?berwinden wird. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross, dass man mindestens einmal im Jahr wirklich krank wird und dass man danach wieder gesundet. Vielmehr bestand die Kunst darin, diese Allgemeinpl?tze theatralisch so zu gestalten, dass man sich pers?nlich angesprochen f?hlt und an manchen Stellen sagt: Das konnte sie nicht wissen. Doch, kann sie nat?rlich, wenn sie etwas Menschenkenntnis besitzt und einiges von Physignomie und Psychologie versteht und dazu noch gebildet ist. Eine geschickte Fragestellung, w?hrend der man automatisch durch Geste und Wort einiges ?ber sich selbst verr?t ohne es gross zu bemerken, geh?rt ebenfalls dazu.
So lernten wir uns also kennen durch Taschenspielertricks, die direkt in die tats?chliche Erforschung des Unterbewussten m?ndeten. Noch heute bin ich ?berzeugt davon, dass einige Dinge geschehen sind, die ich mir auch durch reifliches Nachdenken nicht erkl?ren kann und die selbst Marion nicht mehr im Griff hatte. Jahrelang befanden wir uns in einem psychologischen Wettstreit. Im Laufe dieser Stoffsammlung werde ich davon erz?hlen.
6.1.06 13:39


Ab Ovo

Don Juan macht eine Frau nicht nur glauben, da? er sie liebt, sondern er glaubt es selbst bis just zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich ihm hingibt und sich auf diese Weise in die lange Schlange seiner Eroberungen einreiht. Das ist die Katastrophe f?r seine Liebe, denn jetzt ist sie nichts besonderes, au?ergew?hnliches mehr. Die Zerst?rung der Beziehung und somit auch der Frau ist so folgerichtig wie fatal, denn sie kann nicht begreifen, da? er durch den Umstand, von ihr gl?cklich gemacht worden zu sein, ungl?cklich wird. Vielleicht begreift sie das Paradoxe dieses Umstandes noch nicht einmal, denn es ist fraglich, ob er es selbst nachvollziehen kann. Fakt ist, das Don Juan im tiefsten seiner Seele nach einer Frau sucht die ihm ebenb?rtig ist. Nach einer Carmen, nach einem Weib, da? ihn ins Verderben st?rzt. Eine Frau, die ihn Leiden l??t und nicht umgekehrt.
Eine Kunst, die nicht leicht zu beherrschen ist, denn ein Mann, auch ein Don Juan, l??t bei zu gut gespieltem Desinteresse von einer Frau auch wieder ab, und so gelingt es keiner, ihn an sich zu binden
Eine Frau mu? es schaffen, wenn sie Don Juan von diesem Fluch befreien will, da? er um den Preis des Beischlafes eine Beziehung zu ihr aufbaut, aus der es kein Entrinnen f?r ihn gibt. Dann w?re der Bann gebrochen. Ein Gl?ck, da? dem Herzensbrecher nicht beschieden war und der von seinem Leiden nur durch den Tod erl?st wurde.

Im ersten Traum, den ich jemals tr?umte, sah ich mich als einen Ausgestossenen, der sich so weit dezentrierte, da? er niemals wieder in einer Mitte aufgenommen werden k?nnte, jemand, der sich selbst gezeichnet hatte. Mein erster Traum handelte von den Frauen dieser Welt, aber nicht so, wie viele Jahre sp?ter, als mir tr?umte, da? ich von vierzigtausend Frauen, vor denen ich nackt auf der B?hne stehe, zerrissen werde, ganz im Sinne der Gef?hrtinnen des Dionysos, wenn sie in ihrem Rausch Rehe und Hirsche zerfetzten, in woll?stiger Ekstase, mit nichts zu vergleichen. Vielmehr wurde dieser Traum nicht getr?umt sondern er geschah in mir immer dann, wenn ich kurz vor dem Einschlafen war oder bevor ich erwachte, also einen Zustand erreichte, der den Geist empf?nglich macht f?r die grossen Geheimnisse der Seele.
Ich tr?umte einen autonomen Staat im Untergrund, ich tr?umte mich als den Anf?hrer eines oppositionellen Reiches tief unter der Erde, das ich erst viel sp?ter begreifen konnte: Agartha. Jedoch ohne Mystik. Ich verlockte die Frauen und gab ihnen eine Murmel, nicht gr?sser als eine Kaugummikugel, die sie schlucken mu?ten, bevor sie in die tiefen des Erdreichs mitgenommen werden konnten und jeden Tag war es eine andere, die sich mit mir das Lager teilte. Der Sexus war bereits in meiner fr?hesten Kindheit wie ein Virus in mir zu finden und schon sehr fr?h begann ich mich an meiner Bettdecke zu reiben, in einer Art Wahn bereits im Koitus vereint mit allen Sinnen.
Meine Spiele waren Spiele der Abgesondertheit und ich k?nnte mir vorstellen, da? ich an meinem jungen K?rper litt, denn der war mich nicht im geringsten bewusst. Man k?nnte auch behaupten, da? er noch keine Schwere besass, da? der Geist, wenn er noch nicht lange in einem K?rper haust, noch leichter zu l?sen ist. Sp?ter wird er mir den Gewichten der Pflicht und der Angepasstheit beschwert, seine Fl?gel werden ihm qualvoll abgeschnitten, so da? er bodenst?ndig wird wie ein Huhn in einer Legebatterie. Die Welt wird ihm erkl?rt und er mu? es glauben oder er wird bitterlich bestraft. In mir waren schon alle Anlagen dazu vorhanden, aus der Wiege/Barre-Mentalit?t auszubrechen, doch ob ich es so einfach geschafft h?tte, wenn meine Mutter nicht den Opfertod gestorben w?re, wage ich auch heute noch zu bezweifeln.

Das Prinzip, den Mund zu halten, w?hrend man spricht. Dunkelheit gibt es immer nur hinter dem Fenster, sie ist draussen besser aufgehoben als drinnen. Woran das wohl liegt? Das elektrische Licht begutachtet uns, w?hrend wir hier sitzen, fleissig eingerichtet, adrett. Selbstverst?ndlich werden Fotos gemacht; von der Tafel mit ihren verzierten Tellern und Schalen, dem guten Besteck, den Bechern, Kelchen und Gl?sern, von den Personen, die dieses Inventar benutzen, in naher Zukunft, dann, wenn die K?chin den Braten anschleppt. Sie tr?gt dicke Handschuhe, um sich nicht zu verbrennen. Das haben W?rme und K?lte gemeinsam: Sie verletzen die zarte Haut. War es denn schon damals unheimlich? Die Antwort ist ja. Ja, es war sehr unheimlich.
Wir haben Bilder zu entwerfen, denn wir selbst sind nur ein Abbild einer abstrakten Idee. Wie k?nnten wir den Menschen nicht so sehen? Das Nichtvorhandensein eines Ursprungs ist es, das uns ins Monstr?se treibt und es kann sich niemand damit tr?sten, da? er aus einem Uterus entsprang, an den er sich nicht erinnert, an einer Brust trinkt, deren Form er nicht mehr beschreiben kann. Es scheint, als wolle der Mann ununterbrochen wieder in die Vulva zur?ckkriechen, den Prozess umkehren. Das junge Ding erbl?ht wie eine Rose und dann, im Laufe der Zeit wird sie immer mehr zur eigenen Mutter, die man nicht mehr durchficken m?chte, von der man nur noch gestreichelt werden will, aufgenommen in die Arme ihrer geb?renden Kraft.
Wo kommen die Gedanken her? Wie k?nnen sie jemals in uns selbst ihren Ursprung tragen? W?hrend ich hier sitze, auf diesem Stuhl, und auf die K?chin warte (oder warte ich auf den Braten?) ? d?chte ich auf einem anderen Stuhl etwas anderes? D?chte jene Gedanken, die dort unweigerlich auf mich warten wie Radiowellen?
Ich beobachte sie, wie sie es vermeiden, in der Nase zu bohren oder sich am Arsch zu kratzen und nachher, beim Klirren der Teller, werden sie sich M?he geben, nichts von der Gabel fallen zu lassen, zur?ck in die Sauce, die dann gar auf ihre Kleidung spritzen k?nnte, auf die festliche Tischdecke, die doch mehr wie ein Leichentuch aussieht, mit Speisen am Saum.

Die Gemeinschaft ist eingepfercht. Sie alle unterscheiden sich von Affen nur darin, da? sie sich das Haar nicht gegenseitig nach L?usen absuchen. Der Mensch ist dressiert, man getraut sich kaum zu kauen, m?chte den Batzen Fleisch am St?ck hinunterw?rgen, den es k?nnet zu untolerierbaren Ger?uschen kommen.
Hinter meinem R?cken donnert der ?lofen und beheizt hundert Quadratmeter Raum, nat?rlich nicht allein. Er wird von gl?henden Backen, heissem Kaffee und heuchelnden Worten unterst?tzt. Man trifft sich, um der Einsamkeit zu entgehen, man trifft sich, weil man sich nicht zu sagen getraut: ?Ihr kotzt mich alle an!? Auch hier sollte ich sp?ter ein Pionier sein. Alle, die wir hier sitzen, sind wir nur das Produkt einer in der Zeit gestaffelten Fickerei. Adolf und Johanna, im ersten Weltkrieg mit dem Produkt Karl, der der Vater meiner Mutter ist. Karl und Christa nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Produkt meiner Mutter, Ingrid.
Kurt und Ursula auf der Flucht aus Ostpreussen mit dem Produkt Gerd, den man meinen Vater nennt. Gerd und Ingrid vor dem dritten Weltkrieg. Zwei Produkte. Mirko und ich. Mein Bruder sitzt neben mir. Heute Mittag hatte ich noch versucht, ihn mit einer Nylonschnur zu erw?rgen, aber irgendwie konnte ich das blaue Gesicht nicht ertragen und liess von ihm ab. Nicht, da? ich irgendeinen Groll gegen ihn hegte oder in irgendeiner Form sadistisch veranlagt war, nein. Ich wollte hier raus, das war alles. Ich glaubte nicht an das Leben, ich glaubte nicht an den Tod, ich glaubte nicht an die Personen, die sich heute hier trafen, Sekt und Bier tranken und diese beschissenen Kriege ?berlebt hatten.
Also fragte ich Adolf, warum er gleich alle beiden Kriege ?berlebt hatte und bekam eine gelangt. Von da an glaubte ich auch nicht mehr an den Krieg und ich glaubte nicht an den Braten, den ich kaum mehr kauen konnte.
Schalten wir den Ton ein: Ein derbes Gel?chter, nicht wahr?
Ich versuche mir vorzustellen, da? Zahnprothesen einen anderen Ton im Fleisch verursachen, als die noch verbleibenden Z?hne. Ich kann den Unterschied nicht h?ren. Ich bin taub, also lutsche ich mein Fleisch und nehme nur noch das Suckeln meiner inneren Backen wahr. Ich h?re von innen. Mirko hat keine gelangt bekommen, aber er wei?, da? er sp?ter von mir eine gelangt bekommt, weil er keine gelangt bekam. Gott wu?te, warum ich keine Schwester bekommen hatte.
4.1.06 23:02





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